Edition Hagia Chora

Räume, Dimensionen, Weltmodelle

Impulse für eine andere Naturwissenschaft

von Jochen Kirchhoff

328 Seiten
Broschur
ISBN: 978-3-927369-17-7

Jochen Kirchhoff präsentiert hier eine fundierte Alternative zur herrschenden Sicht auf Natur und Kosmos. Dem Universum des Urknalls und der glühenden Gasbälle in eisiger Leere, das nur oasenhaft Leben hervorbringt, wird die Vision eines bis in den letzten Winkel hinein lebendigen Universums gegenübergestellt. Kirchhoff zeigt, dass alle zentralen Behauptungen der herrschenden Kosmologie auf brüchigem Boden stehen. In ihnen spiegelt sich eine vom Lebendigen abgespaltene Bewusstseinsform, die nur eine scheinbare Wirklichkeit beschreibt. Er schließt, dass intelligentes Leben im Prinzip überall möglich ist, dass die »Sonnen« keine thermonuklearen Höllensterne sind, sondern belebte Kugeln, und dass der Weltraum selbst ein Meer von lebendigem Bewusstsein darstellt. Kirchhoff stellt die Qualität naturwissenschaftlicher Theorien an den Beispielen Gravitation, Masse und Lichtgeschwindigkeit als mythisch-archetypische Projektionen einer reduktionistischen Betrachtung grundsätzlich in Frage. Seine Kritik der physikalisch-mathematischen Sprache setzt ihn in Gegensatz zur derzeit »gültigen« naturwissenschaftlichen Welterklärung.
Das Buch, dessen erste Ausgabe zuerst 1999 erschienen ist, hat eine Grundlagendebatte mit offenem Ausgang ausgelöst. Für unsere Neuausgabe hat Jochen Kirchhoff in einem einleitenden Kapitel die Wirkung des Buchs seit seinem Erscheinen dokumentiert.

thumb
19,50 EUR32.80 CHFIn den Warenkorp
weitere Bücher aus Edition Hagia Chora
thumb   16,50 EUR 27.80 CHF
Das kosmische Band Natur, Erde, Kosmos und die Anderswelt
Jochen Kirchhoff
thumb 19,50 EUR 32.80 CHF
Vision Quest Visionssuche: In der Wildnis allein auf dem Weg zu sich selbst Sylvia Koch-Weser Geseko von Lüpke
thumb   19,50 EUR 32.80 CHF
Im Bann der sinnlichen Natur Die mehr als menschliche Welt und die Kunst der Wahrnehmung David Abram

Rezensionen

von Bruno Martin am 09.04.2007

Der Kosmos ist nicht absurd

„Woher kommt die Welt“ hieß eine Fernsehdoku zum 150. Geburtstag von Max Planck. Darin wurde berichtet, dass mit einem Milliardenbetrag in Genf ein Teilchenbeschleuniger hundert Meter unter der Erde gebaut wird, der einzig dazu dient, den Urknall – mit dem unser Universum angefangen haben soll – real in kleinerem Maßstab zu erzeugen. Denn tatsächlich steht die Urknalltheorie auf schwachen Beinen – genau gesagt nur auf mathematischen Formeln, die bisher nicht bewiesen sind. Außerdem fragen sich einige Astrophysiker, warum im Universum praktisch keine Materie vorhanden ist – trotz den Milliarden von Galaxien und Sternen darin, die nur 5% des Ganzen ausmachen. Um das vielleicht herauszufinden haben die Wissenschaftler die riesigen Maschinen zur Beantwortung einer einzigen Frage gebaut: Wie wandelt sich Energie in Materie um?
Diese und andere Fragen stellte sich auch Jochen Kirchhoff. Dabei stieß er auf viele Ungereimtheiten und Erklärungsnöte der heutigen Physik und kommt zu einer radikalen Kritik der gängigen naturwissenschaftlichen Mythen. Denn die meisten Theorien, an die wir glauben sollen, bestehen nur als mathematische Denkmöglichkeiten. Der Wirklichkeit sind wir immer noch nicht auf der Spur, der Kosmos hüllt sich in Dunkelheit.
Er ist auch dunkel! Astronauten haben uns die Augen geöffnet: sie berichteten, der Weltraum ist wirklich vollständig schwarz. Dabei müsste man annehmen, dass es draußen gleißend hell wäre. „Stattdessen wirkt die Sonne wie ein blendender Strahler von der Größe eines Stecknadelkopfes; aber was erhellt diesen Strahler? Den Raum selbst erhellt er nicht, der Raum selbst bleibt finster“, schreibt Kirchhoff in seinem Werk „Räume, Dimensionen, Weltmodelle“, ein Buch, das mich fesselte, weil ich mich selbst mit diesen und vielen anderen Fragen, die er aufwirft, seit langem beschäftige. Und er bietet ganz ungewöhnliche Antworten an, die nachdenklich machen.
Schon Licht im Allgemeinen ist ein Mysterium, denn Licht selbst ist unsichtbar. Auch das Licht der Sonne ist nicht wirklich hell, wir sehen es nur, weil das Gehirn die Lichtwellen, die wir mit den Augen aufnehmen, in inneres Licht und innere Farben umwandelt – erst das Licht unseres Bewusstsein erhellt uns. Und die Wärme, die wir durch die Sonnenstrahlen spüren, entsteht nur wegen der Brechung der Lichtwellen in unserer Atmosphäre, der Weltraum selbst ist kalt! Und wie kann der Raum das Licht über Millionen von Kilometern tragen? „Die Frage ist innerhalb der herkömmlichen Physik nicht zu beantworten, weil diese weder weiß, was der Raum, noch was das Licht ist.“
Kirchhoff räumt in philosophisch brillanter Manier mit vielen Mythen der Naturwissenschaften auf und hilft den Leserinnen und Lesern, die Reduktionsfilter falscher Denkgebäude beiseite zu schaffen.
Denn die moderne Physik hat religiöse Mythen ersetzt – und neue Mythen geschaffen. Wir werden eingelullt von mathematischen Konstrukten, die jeder anders versteht, z. B. die Formel E=mc², und physikalischen Spekulationen, die keinerlei Substanz haben. Kirchhoffs Fragen und Thesen geben weit mehr als Impulse für ein neues Denken – er rüttelt an unserer Wissenschaftsgläubigkeit, damit es uns gelingt, aus diesen Traumgebilden aufwachen zu können. Und wie jeder Impuls zum Aufwachen, kann es auch ein Impuls dazu werden, dass wir unser Leben auf neue Weise betrachten und einen anderen Lebensweg einschlagen.
Gerade weil für viele „Gott tot ist“ und die materialistische Evolutionstheorie das Leben als zufälliges Erzeugnis eines ziellosen Prozesses ansieht, wurde auch das menschliche Leben von allem Sinn entleert. Der Mensch fällt nun nur noch auf einem toten Steinbrocken durch einen unendlichen Kosmos, so dass ihm nur noch als einzige Möglichkeit verblieben ist, Spaß zu haben und konsumieren zu dürfen – vorausgesetzt, er kann es sich leisten -, um dem Leben einen Sinn abzugewinnen. Kein Wunder, dass Menschen mit wenig Geld am Leben verzweifeln.
Kirchhoff gibt uns wieder Hoffnung. Denn es ist für unsere Lebenseinstellung und unsere Lebensführung doch von Bedeutung, ob es einen „objektiven“ Sinn gibt, wenn wir nicht gerade fromme Gläubige vergangener Mythen sind. Gibt es einen Weg dazwischen? Können wir ohne Gottglauben und jenseits materialistischer Öde vielleicht doch ein sinnvolles Universum entdecken? Die Frage nach dem Sinn des Ganzen stellt sich spätestens dann, wenn wir mit dem Tod konfrontiert sind. Plötzlich kommt uns Gott wieder in den Sinn. Oder die Angst vor der Leere, die uns möglicherweise erwartet. „Die verbreitete Angst vor dem Tod ist auch die vor der undurchdringlichen Finsternis, die das Licht des Bewusstseins und der ich-haften Gestalt verschluckt.“ Mit einer neuen Sicht der „Anderswelt“, die eigentlich ein „Weltinnenraum“ ist, können wir getrost neu erhellt und erfüllt leben und sterben.
Es macht schon einen Unterschied, ob es uns gelingt, „mit Bewusstsein jenseits der Sinne zu sein“ wie Novalis es treffend ausgedrückt hat. Kirchhoffs Bücher verdeutlichen, dass beides, der Kosmos und wir Menschen, aus lebendigem Bewusstsein bestehen und wir gar nicht - weder im Leben noch im Tode - aus diesem Bewusstsein herausfallen können. „Auch rein empirisch haben wir gute Gründe, Leben und Bewusstsein als etwas anzusehen, was der Materie vorausgeht.“ Denn, so schreibt Kirchhoff, „Bewusstsein ist kein Wunder, sondern der ‚Normalfall’ im Universum“… Ohne ‚objektives Bewusstsein’ kann das ‚subjektive Bewusstsein’ nichts erkennen… Insofern ist der Mensch, obwohl ständig unterwegs, immer schon angekommen.“
Normalerweise streiche ich mir keine Sätze in Büchern an. Doch Kirchhoff bringt so viele denkwürdige und bedenkenswerte Ideen, dass ich ständig den Bleistift benutzen musste, um keinen wichtigen Gedanken zu verpassen. Wer einmal von seiner spannenden, geistvollen Schreibweise erfasst wurde, legt seine Bücher nicht mehr aus der Hand, kein Krimi fesselt so!