Spiritualität

Spiritualität

Warum wir die Aufklärung weiterführen müssen

von Prof. Dr. Harald Walach

Erschienen am 01.05.2011
ca. 272 Seiten
Pappband mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-927369-56-6

Das Buch von Harald Walach stellt einen Tabubruch dar, indem ein Wissenschaftler, der für seine klare und unbestechliche Methodik bei der Forschung im Bereich komplementärer Heilverfahren berühmt ist, ein Thema aufgreift, über das in der akademischen Zunft – und generell im modernistischen Mainstream – nicht gesprochen werden darf. Der Autor hält die spirituelle Erfahrung für eine Erfahrung von Wirklichkeit; sie ist nicht nur Einbildung oder Halluzination. Dies wissenschaftlich zu fassen ist außerordentlich schwierig. Harald Walach gelingt hier ein großartiger Wurf, der seine These, dass die Aufklärung ohne eine reflektierte, undogmatische Spiritualität unvollständig ist, nachvollziehbar untermauert.
Für den Autor ist eine »undogmatische« Spiritualität im tiefsten Grund nichts Neues, sondern eine erneute Betonung von an sich Selbstverständlichem. Die Selbstverständlichkeit wird jedoch zu einer gesellschaftlichen Notwendigkeit, die neu betont werden muss, wenn sie droht, in Vergessenheit zu geraten. Für ihn ist die undogmatische Spiritualität eine Gegenbewegung zur doktrinären Verkündigung und ein möglicher Weg, zu den Quellen von Religion auf neue Weise zurückzufinden. Dies könnte der Beginn eines neuen Denkens sein, das dazu beiträgt, den dauernden Kampf zwischen Glaubenssystemen und Fundamentalpositionen zu beenden.

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Rezensionen

von Walter Prankl in www.kultur-punkt.ch

Ein überaus wertsteigerndes Diskursbuch, dem einen langzeitliche Wirkkraft als Nachschlagewerk sehr zu wünschen ist.

von Dr. Roman Schweidlenka in www.logo.at

Ein anspruchsvolles Buch, das Denkprozesse und lebhafte Diskussionen auslösen sollte, zeigt es doch die Möglichkeit einer spirituellen Alternative zur allgegenwärtigen Orientierungslosigkeit.

von Walter Beutler

 Ja, auf dieses Buch habe ich gewartet – lange gewartet. Es zeugt von einem redlichen Erkenntnisbemühen und hinterfrägt Dogmen, die tief in unserer vermeintlich aufgeklärten Kultur verankert sind. Zudem gibt es Orientierungshilfe auf dem Weg zu einer reflektierten Spiritualität.

von Norbert Copray am 27.07.2012 in Publik-Forum

 Sehr gehaltvoll und einer eingehenden Diskussion wert.

von Anja Oeck am 01.02.2012 in Tibet und Buddhismus

Hochkomplexe Argumente mit weitreichenden Konsequenzen sowohl für die tägliche Praxis des Einzelnen als auch für unsere Gesellschaft komprimiert und allgemein verständlich dargelegt zu haben, das ist Aufklärung mit dem Potenzial, aus selbst verschuldeter Unmündigkeit zu führen.

von Klaus Baumann am 22.01.2012 in Verhaltenstherapie. Praxis/Forschung/Perspektiven

Es ist zu wünschen, dass Walachs Mut und Demut zu diesem höchst anregenden Buch und vor allem seine systematische Entwicklung von Spiritualität für den wissenschaftlichen Diskurs durch rege Aufnahme und niveauvolle Diskussionen belohnt werden. Denn diese stehen an!

von Jochen Kirchhoff am 01.12.2011

Das Verhältnis von Wissenschaft und Spiritualität ist ein großes, kaum auszuschöpfendes Thema. Die Zahl der Veröffentlichungen hierzu ist gewaltig.
In vielen Büchern geht es um die sattsam bekannte Behauptung der Konvergenz von (meist östlich inspirierter) Spiritualität und Quantenphysik. Diese These, so schwach gestützt sie bei Licht gesehen auch ist, wird stets aufs neue von den verschiedensten Autoren vorgetragen.
Das Buch des Psychologie-Professors Harald Walach geht das Thema von einer ganz anderen Ecke aus an. Es ist ein unaufgeregtes, ruhiges Werk mit einer im Kern einfachen Botschaft: Spiritualität , soweit sie undogmatisch und auf kreative Weise offen ist, sei kein Gegensatz zur Wissenschaft, wenn diese ihrem eigentlichen Anliegen und Anspruch gerecht wird, also ihrerseits von lieb gewordenen Dogmen Abschied nimmt und ergebnisoffen und kreativ voranschreitet. Ein Schlüsselsatz Walachs hierzu lautet: "Ein häufiges Selbstmissverständnis der Wissenschaft ist es, davon auszugehen, es gebe so eine Art Kanon des Nicht-Bezweifelbaren, und Wissenschaft inhaltlich und nicht methodisch zu definieren." Walach plädiert für den Primat der Methodik . In der Spiritualität betont er den Primat der alltagstauglichen spirituellen Praxis, von der er meint, dass sie nicht in Kollision geraten könne mit der richtig verstandenen wissenschaftlichen Methodik und mit jenen geistesgeschichtlichen Impulsen, auf die diese Methodik zurückgeht. Und zu diesen gehört zentral die sogenannte Aufklärung, deren Anfang er ins späte 13. Jahrhundert zurückverlegt.
Walachs philosophischer Ausgangspunkt ist die Überzeugung von der Einheit der Welt jenseits aller Gegensätze und Spaltungen. Hierin wurzelt für ihn auch wirkliche Spiritualität . Und diese Einheit der Welt, die auch die komplementäre Einheit von Geist/Seele und Materie darstellt, ist sein Leitgedanke zur Überwindung der gegenwärtigen globalen Krise.
Die Menschen müssten diesen Leitgedanken - endlich - begreifen. Und das sei ohne Spiritualität schlechterdings nicht möglich. "Undogmatische Spiritualität" ist für Walach - so wörtlich - eine "gesellschaftliche Notwendigkeit". Immer wieder betont er, dass Rationalität und Spiritualität in ihrer eigentlichen Substanz komplementär seien.
Vielem von dem, was Walach schreibt, kann man kaum ernsthaft widersprechen. Es wirkt in sich stimmig und weitgehend plausibel. Manches allerdings wirkt "wohlmeinend" auf eine allzu schlichte Art.
Auf jeden Fall lohnt die Lektüre. Und in der herrschenden Debatte um diese Fragen ist das Buch eine Bereicherung, eine wichtige Stimme, die gehört werden sollte.

von Joachim G. Vieregge am 01.11.2011 in Oya – anders denken. anders leben

Dieses Buch befasst sich kritisch mit der Ausgrenzung von spiritueller Erfahrung durch die Wissenschaften die großen Religionen im Westen und ist zugleich ein Plädoyer, Spiritualität für wissenschaftliche Methodik fruchtbar zu machen. Denn spirituelle Erfahrung kann Einsichten in ganzheitliche Zusammenhänge liefern, die den Wissenschaften Auswege aus ihren Erstarrungen aufzeigen würden, in die sie durch das Festhalten an der positivistischen Metaphysik geraten sind.
Die herrschenden Wissenschaften (oder besser: die Wissenschaften der Herrschenden) bieten deshalb keine Lösungen für die globalen Probleme der Gegenwart, weil sie im rationalistischen Dualismus Geist versus Materie verharren und – darin ganz unwissenschaftlich – sich der Offenheit verweigern, ihre Paradigmen kreativ und neu zu denken. Dies könnten sie, wenn sie sich für einen holistisch-intuitiven Zugang zum Realitätsverständnis öffnen würden, wie er durch spirituelle Praxiserfahrung erschlossen wird. Um diesen unseligen Dualismus zu überwinden, plädiert der Autor immer wieder für eine Komplementarität beider Wahrnehmungsmodi. Beide seien ­»maximal inkompatible Größen, die konstitutiv für ein und dieselbe Sache sind«. Beide Sichtweisen erfassen auf komplementäre Weise die Phänomene einer einzigen Wirklichkeit. Das monistische Weltverständnis wäre gewahrt, wenn Spiritualität gleichwertig-komplementär neben der bisherigen, alles dominierenden ratio­nalen, naturwisssenschaftlich geprägten Weltsicht stünde.
Was Spiritualität ist, wird vom Autor klar und fundiert ausgeführt, wobei er auch persönliche Erfahrungen auf sympathische Weise offenlegt. Walach bezieht sich dabei auf die spirituelle Praxis. Damit meint er »alle intentionalen Handlungen eines Menschen, mit denen er sein Ausgerichtetsein auf eine ihn übersteigende Wirklichkeit erkennen lässt, dokumentiert, übt oder erneuert«. Vor allem eine regelmäßig geübte Achtsamkeits-Meditation ist dabei gemeint, aber nicht nur.
Über weite Strecken wird der Leser mit historischen und neueren Forschungen zu den Wissenschaften vom Bewusstsein bekanntgemacht, die begründen, was Meditation für die Erkenntnisfähigkeit des Menschen zu leisten imstande ist. Sehr ausführlich referiert der Autor die neurobiologischen und neuropsychologischen Auswirkungen von Stress, Tiefenentspannung und Zerstreuung.
Dabei wird auch eine Kulturkritik an der Spaßgesellschaft ausgeführt, die Meditation oft nur als Wohlfühlmittel gebraucht. Demgegenüber ermöglicht systematisch geübte Meditation innere Sammlung, die allmählich positive Effekte und Affekte nachhaltig hervorbringt. Es gehörte für mich zu den eindrucksvollsten Kapiteln, was der Autor zur Psychologie der Meditation schreibt, weil ich eine Beschreibung der einzelnen Meditationsstadien und ihrer Auswirkungen auf das neuronale System noch nie so klar und verständlich gelesen habe. Zwar gibt es schon seit längerem Untersuchungen ähnlicher Art, aber sie befassen sich nicht mit den neuronalen Vorgängen bei der Erfahrung der eigenen Essenz, mit den Glücksaffekten und Lichterscheinungen, die durch das Meditieren ausgelöst werden. Es ehrt den Autor, dass er nur so weit über diese Wahrnehmungen spricht, wie er sie aus eigener Praxiserfahrung heraus belegen kann, und dass er den Effekt von Meditation daran misst, ob sie das Leben und Handeln zu mehr Mitmenschlichkeit und zur Integration der inneren wie äußeren »Feinde« verändert. Besonders relevant für die Wissenschaften aber dürfte es sein, dass systematische Meditation zu radikaler Offenheit führt. Indem sie die Identifikationen mit Denkmustern des Ichs sowie Verhaltensschemata durchschaut und auflöst, ist eine Folge davon die Weitung des Bewusstseins und die Erfahrung von viel Raum und Freiheit. Das wiederum ermöglicht neues, kreatives Denken, das holistisch und integrierend anstatt analytisch-spaltend arbeitet.
Es versteht sich, dass es sich hier um keine dogmatisch eingeschränkte Spiritualität handelt, weshalb der Verfasser immer wieder Kritik an jeder Art von orthodoxen Rahmenbedingungen der Spiritualität übt. Er setzt große Hoffnung darin, dass eine undogmatische Spiritualität aus der herrschenden postmodernen Unverbindlichkeit und Werte-Beliebigkeit herausführen möge. Sie sollte auch das weitverbreitete Vorurteil von Politikern und Wissenschaftlern gegenüber allem Spirituellen überwinden, das wir in Deutschland auch wegen des verqueren NS-Okkultismus haben. Ich würde jedoch im Unterschied zum Autor dabei nicht so sehr auf einen Bewusstseinswandel bei Führungseliten in unserem Land setzen, sondern auf die vielen Gruppen vor allem in der jungen und mittleren Generation, die sich mit Meditation und spirituellen Zusammenhängen befassen, denn die nehmen zahlenmäßig zu. Es wäre an der Zeit, dieses so wichtige Buch durch vorurteilsfreie empirisch-soziologische Studien über den Stellenwert von ­Spiritualität in der Gesellschaft zu ergänzen.