Library of Healing Arts
Farbzeiten
Wie die Farbe der Seele hilft. Eine Sozialgeschichte der Farbe.
von Edgar Diehl296 Seiten
Broschur mit Klappen
ISBN: 978-3927369-13-9
Unsere Welt ist bunt. Alles Sichtbare teilt sich dem Auge mit einer Farbe mit, und auch das Schaffen des Menschen drückt sich in Farben aus. Wenn wir akzeptieren, dass die Frequenzen der Farben entsprechende Resonanzen in unserem Denkapparat, dem Gehirn und den mit ihm verbundenen Gefühlszentren im Körper auslösen, so leuchet ein, dass in der Farbigkeit der vom Menschen geschaffenen Welt auch etwas Kollektives – der Zeitgeist – abgelesen werden kann.
Edgar Diehl erkennt in der farbigen Gestaltung unserer Umwelt Phasen, die mit dem Wandel des Zeitgeists einhergehen. Sein sozialgeschichtlicher Diskurs über die Farbe führt uns vor Augen, durch welche soziokulturellen Phasen unsere Gesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg gegangen ist, indem er die dominierenden Farben der Dekaden einer farbpsychologischen Betrachtung unterzieht. Er tut dies, indem er seine eigene Biografie als Künstler analysiert und sich als Mensch erkennbar macht, der in gesteigerter Intensität von, in und mit der Farbe lebt.
»Farbzeiten« ist ein vielschichtiger Einblick in die Werkstatt eines Künstlers, der Farbe vor allem als nährende und heilsame Brücke im Dialog mit den Menschen versteht. Parallel zur humorvollen Schilderung seiner künstlerischen Entwicklung setzt sich Edgar Diehl mit grundlegenden Fragen der künstlerischen Ausbildung und der Praxis und Ethik der bildenden Kunst auseinander. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Wirkung und Bedeutung Farbe und Kunst auf die Entfaltung eines humanistischen Welt- und Menschenbilds haben. Anhand exemplarischer Werke aus der eigenen Werkstatt lässt Diehl den Leser an einer ungemein spannenden Erkenntnisreise teilhaben, die ihn, den Künstler, zum Lebensbegleiter der Persönlichkeiten gemacht hat, für die er seine Bildwerke schafft.
Edgar Diehls kunsttheoretischer Ansatz ist in der gegenwärtigen Kunstlandschaft ungewöhnlich: Sein konsequent spirituelles, auf den Menschen bezogenes Kunstkonzept macht »Farbzeiten« zu einem inspirierenden Lese-, Schau- und Nachfühlbuch nicht nur für alle, die sich mit dem Thema Farbe als Künstler und Therapeuten beruflich befassen. Die lebensnahe Wegleitung durch das Reich der Farbe macht das Buch für jeden Menschen wertvoll, der wünscht, die Welt mit neuen Augen zu sehen.
Rezensionen
von Ulrike Brandenburg am 17.11.2005 in Wiesbadener Tagblatt
"Farbzeiten" heißt das Buch des Wiesbadener Malers Edgar Diehl. Frisch erschienen ist es, und zwar im Drachenverlag mit Sitz in Klein Jasedow. Allein der Publikationsort ist eine Geschichte wert - nämlich diejenige einer Gruppe kreativer Wessis, die auszog, um im Osten ein neues Leben zu beginnen. Dass Edgar Diehl die Partner seiner Publikation ausgerechnet hier fand, passt zu Stimmung und Thema seines Buches.
In "Farbzeiten" geht es um die vitale, zuweilen revolutionäre Kraft der Farbe, um ihre psychologische Wirkung und ihre Fähigkeit, den Alltag mit motivierender Energie aufzuladen. "Wie die Farbe der Seele hilft" lautet der vielleicht etwas zu esoterisch geratene Untertitel, denn Diehl hat durchaus handfeste Erkenntnisse anzubieten.
Zur theoretischen Grundlage seiner Darstellung hat Diehl die Überlegungen des Altmeisters der Farbpsychologie, Heinrich Frieling, gewählt. Dessen differenziertes Bezugssystem von Farbe und mentaler Konstitution hatte im vergangenen Jahrhundert zur Entwicklung eines Farbtests geführt, der verborgene Dimensionen der Persönlichkeit zu offenbaren vermag. Diehl nutzt diese Erkenntnisse, um mit Farbe in den Alltag einzugreifen - mit seiner vorliegenden Schrift und mit seiner künstlerischen Arbeit.
Weil die Auseinandersetzung mit der asiatischen Religion dem Künstler die hohe Wertigkeit des Sozialen bewusst machte, nahm der Maler Diehl wiederholt Aufträge zur Gestaltung des öffentlichen Raumes an. Das von Diehl entworfene Schwalbacher Apothekermuseum bringt Farbe und Lebensqualität in den Ort. Für Privaträume entwirft der Künstler Farbreliefs, die die Situation der Auftraggeber spiegeln und ihren Bedürfnissen nachkommen. Erläuterungen dieser Farb-Arbeit finden sich zuhauf in dem Buch, dessen Einzelkapitel übrigens jeweils einem Farbcharakter gewidmet sind. Bei dessen Sichtbarmachung begegnet nur ein Bedauerliches: All zu oft werden fragliche Gender-Bezüge gesetzt. Dass aktives Rot ein Symbol des Männlichen und passives Blau ein Symbol des Weiblichen ist, ist in dieser Ausschließlichkeit überholt.
